gedichte des monats, 2009
Januar: Die Geschichte von Daktylus und Anapäst, Teil 1
Februar: 24
März: Spitzen-Kandidaten-Rap
April: Ich hau dich um!
Mai: Vorübergehend
Juni: Das Bläschen im Gläschen
Juli: Die Blattlaus
August: Naturschauspiel
September: Sohnemann-Rap
Oktober: Die Geschichte von Daktylus und Anapäst, Teil 2
November: Erlanger Limerick
Dezember: Limericks aus der Metropolregion

Die Geschichte von Daktylus und Anapäst, Teil 1 (Januar 2009)
Zwei Metren im ÖPNV
Daktylus
saß im Bus
und dachte:
„So ein Stuss!
Wie komm ich,
Daktylus,
in einen
Autobus.

Wer denkt sich
sowas aus,
ich muss hier
dringend raus.
Allerdings:
steig ich aus,
wie komm ich
dann nach Haus?!”

Da kam der
nächste Halt
und es war
dergestalt
unsagbar
bitterkalt,
dass es zu
bleiben galt.

Anapäst
stieg dort ein.
Sie war so
zart und fein
und sie war
ganz allein.
Konnte das
Zufall sein?

Da sagte
Daktylus:
„Was ich dir
sagen muss,
liebe Frau
hier im Bus:
ich möchte
einen Kuss.”

Anapäst
fragte sich:
„Ist der noch
ganz bei sich?
Kennt der mich
eigentlich?
Einen Kuss
kriegt er nich!

Ich geh nicht
auf den Leim
und erstick
das im Keim.
Geh ich jetzt
direkt heim,
macht er sich
seinen Reim.”

Daktylus
aber war
hin und weg,
ganz und gar.
Es war ihm
sofort klar,
dass sie sein
Metrum war.

Er sagte
„Bleib doch hier,
ich garan-
tiere dir,
das klappt mit
dir und mir,
nicht nur auf
dem Papier.”

Anapäst
dachte nur:
„Der ist ja
ziemlich stur.
Macht hier auf
Stilfigur
und redet
Unsinn pur.”

Trotzdem, es
war geschehn.
Sie hatten
sich gesehn.
Wie wird es
weitergehn?
Kann sie ihm
widerstehn?

(Fortsetzung folgt)
24 (Februar 2009)
So ganz konkret
ist Poesie
nie.

Egal wie nackt
oder abstrakt,
da da ist,
ob hier, ob dort,
ein
2_hoch_4
Spitzen-Kandidaten-Rap (März 2009)
Wann finden diese Wahlen statt?
Ich kann es kaum erwarten.
Denn unser Super-Deutschland hat
nur Spitzen-Kandidaten.

Das werden tolle Tage
und auch sicher tolle Stunden.
Danach spricht man die Lage
durch in Elefantenrunden.

CDU, CSU,
christlich demokratisch, du!
CDU, CSU,
christlich sozialistisch, du!

Unsre Merkels Angela,
sie ist Deutschlands Superstar.
Warum sucht ihr andre noch?
RTL, wir haben doch...
(2x)

Sie raubt mir den Sinn,
Mensch glaubt mir ich bin
verliebt, Mann, ich spinn
auf die Kanzlerin.

Germany, eventuell,
ist dein nächstes Top-Modell
wieder diese Powerfrau.
Bald schon wissen wir‘s genau.

(Kanak Sprak)
SPD, SPD,
echt sozial und voll ok!
SPD, SPD,
echt sozial und voll ok!

Hey Alter!
Frank-Walter!
Korrekt,
Respekt!
Du redest keinen Scheiß
und machst die Massen heiß.
Du reißt die Leute mit,
und lächelst wie Brad Pitt.

Hey Alter!
Frank-Walter!
Was geht,
konkret?
Gibt’s Konjunkturpaket,
oder ist‘s schon zu spät?
Gibst du Milliarden mir,
dann Walter wähl ich dir!

Hey Alter!
Frank-Walter!
Mensch das
is krass.
Du stehst für irgendwas
und machst die andern nass!
Erst Außen ministriert
und dann das Land regiert.

Die Grünen, das Bündnis,
wie lang 90 her is!
Die Grünen, das Bündnis,
wie lang 90 her is!

Trittin, tritt wen?
Tritt Cem, tritt Özdemir!
Tritt Özde-wem? Tritt Özde-ihm!
Tritt Jürgen Trittin!
(2x)

Die Räder stehen nicht mehr still
so lange es der Wind nicht will.
Und auch die Sonne bringt uns Strom,
wozu braucht man noch das Atom.

Die Hoffnung auf ein Fortbestehn
der Erde ist ganz einfach Grün.
Und lenkt der Jürgen unser Land
dann gibt es noch mehr Dosenpfand.

FDP, FDP,
liberal, Ole Ole!
FDP, FDP,
liberal, Ole Ole!

(zum Rhythmus von Perfekte Welle)
Das ist Guido Westerwelle,
das ist der perfekte Typ.
Und weil Guido so perfekt ist,
habn ihn alle Frauen lieb.

Er wird unsre Steuern senken
und den Bürgern Freiheit schenken.
Dann erhöht er noch die Rente,
dafür kriegt er die Prozente.

Er macht gar nichts radikaler
sondern alles liberaler.
Und mit Guido koalieren
heißt die Republik regieren.

Das ist Guido Westerwelle
das ist der perfekte Typ
und weil Guido so perfekt ist
hat der Guido Euch auch lieb.
(frei nach Guildo Horn:)
Guido hat Euch lieb!

Linkspartei, Linkspartei,
links zwo drei vier, Linkspartei.
Linkspartei, Linkspartei,
links zwo drei vier, Linkspartei.

Lieber Oskar Lafontaine,
bitte sei mein Kapitän!
Gib den Armen, mach sie reich.
Kapital ist Teufelszeug!

Mit dir will ich wie besprochen
Unternehmer unterjochen,
denn die scheffeln nur Millionen
ohne Arbeit zu entlohnen.

Scheiß auf Neo-Liberale,
Deutsches Volk, hör die Signale:
Auf zum letzten Wahlgefecht,
die Partei hat immer recht!

Auf zum letzten Wahlgefecht,
die Parteien haben recht!
Auf zum letzten Wahlgefecht,
die Parteien haben recht!
Ich hau dich um! (April 2009)
Der Schlagzeug-Rap
Basstrommel: um, um, um, ...
Snare-Drum: weg, weg, weg, ...
Hi-Hat: ich dich, ich dich, ich dich ...

Um, weg,
ich hau dich um, weg,
um, weg, um, um, weg,
ich hau dich um, ich hau dich weg.
Um, weg, um, um, weg,
ich hau dich um, weg,
um, weg, um, um, weg,
ich hau dich um mit Strophe eins:

Ich hau dich um, hau dich weg,
du dumme Sau!
Ich hau dich um, hau dich weg,
du weißt genau,
ich hau dich um, hau dich weg,
du bist ‘n Arschgesicht.
Ich hau dich um,
was and’res checkst du nicht.

Ich hau dich um, hau dich weg,
was willst denn du?
Ich hau dich um, hau dich weg,
lass mich in Ruh!
Ich hau dich um, hau dich weg,
du bist ‘n Vollidiot.
Ich hau dich um,
wart ab, gleich bist du tot!

Um, weg,
...
ich hau dich um mit Strophe zwei:

Ich hau dich um, hau dich weg,
ich hab dich satt.
Ich hau dich um, hau dich weg
und mach die platt.
Ich hau dich um, hau dich weg,
du kotzt mich an.
Ich hau dich um,
so hart wie ich nur kann.

Ich hau dich um, hau dich weg,
gleich fließt hier Blut.
Ich hau dich um, hau dich weg,
dann geht’s mir gut.
Ich hau dich um, hau dich weg,
du bist so dumm.
Ich hau dich um
und dir die Nase krumm.

Um, weg,
...
ich hau dich um mit Strophe drei:

Ich hau dich um, hau dich weg
in einer Tour,
ich hau dich um, hau dich weg,
mit Worten nur.
Ich hau dich um,
denn ich bin zwar Prolet.
Ich hau dich um
doch ich bin auch Poet!

Ich hau dich um, hau dich weg,
nicht primitiv.
Ich hau dich um, hau dich weg,
im Konjunktiv.
Ich haute dich gern um,
sowie auch weg.
Ich glaub im Konjunktiv
hat‘s keinen Zweck.

Um, weg,
...
denn du bist Kurt Beck,
und Roland Koch passt nicht ins Versmaß,
haut ihn um, weg!
Ich hau ihn um, weg,
um, weg, um, um weg.
Ich hau ihn um, ich bin dann mal weg!
Vorübergehend (Mai 2009)
Ich hätte Dich so gern nochmal gesehen –
auch wenn ich Dich ja noch gesehen habe.

Ich hätte Dich so gern nochmal gehört –
nicht nur am Telefon.

Ich hätte Dich so gern nochmal gespürt –
mit siebenunddreißig Grad.

Ich hätte Dich so gern nochmal erlebt –
so quicklebendig wie Du immer warst.
Das Bläschen im Gläschen (Juni 2009)
Das Bläschen im Gläschen
war einfach entstanden,
es kam aus dem Nichts
und war trotzdem vorhanden.

Ganz intuitiv
reihte es sich gleich ein,
denn Bläschen im Gläschen
sind selten allein.

Nun durfte es steigen
und allen sich zeigen,
beim Schweben nach oben,
da konnte es toben.
Bald würde es knistern
mit all den Geschwistern,
es würde entschwinden
und nichts mehr empfinden.

Doch seltsam, das Bläschen,
es kam nicht mehr weiter,
es wurde gebeutelt
wie seine Begleiter.

Stockfinstere Gänge
durchschwammen sie alle
und waren sich sicher,
das ist eine Falle.

Es gab keine Falle,
nur stinkende Gase.

Die Bläschen sie landeten
in einer Blase
Die Blattlaus (Juli 2009)
Was ist mit dieser Blattlaus?
Sie schaut ein wenig matt aus.
Sie aß noch grad ein Blatt.
Ob sie nun Bauchweh hat?

Was ist mit dieser Blattlaus los?
Die schaut ja nicht nur matt aus bloß,
die ist ja völlig platt.
Ob sie auch Durchfall hat?

Warum ist diese Laus platt?
Sie wirkt so überaus matt.
Vielleicht fraß sie zuviel
und ich hab leichtes Spiel.

Warum ist diese Laus so platt,
ob sie auch einen Hausfloh hat?
Den ess' ich dann gleich mit
(ich Käfer bin ja fit).
Naturschauspiel (August 2009)
Langsam gleite ich dahin,
ohne Sinn,
sehr bequem.

Rundherum ist alles still,
wie ich will,
angenehm.

Irgendjemand kitzelt mich,
wo bin ich?
Aufgewacht!

Morgensonnenstrahlenglanz,
der mich ganz
schwindlig macht.

Ringsherum um mich ist Meer,
das ist sehr
riesengroß.

Winzig klein im Sonnenschein,
ich allein,
ahnungslos.

Plötzlich regt sich leichter Wind,
der geschwind
Kraft gewinnt.

Bald erfasst er mich mit List,
doch er ist
wohlgesinnt.

Rasend schwillt er weiter an
zum Orkan,
reißt mich mit.

Diese Eruption muss sein.
Es ist ein
wilder Ritt.

Grelle Blitze, Donnerhall
überall,
über mir.

Wellen schlagen über mich,
treffen sich
eben hier.

Auch des Sturmes Auge hat
nimmersatt
mich erreicht.

In mir die Gedankenflut
tut so gut,
macht mich leicht.

Langsam geht der Wind zurück,
Stück für Stück
ebbt er ab.

Trotzdem bin ich aufgewühlt,
gar nichts fühlt
sich mehr schlapp.

Nun beruhigt das Meer sich schnell,
es wird hell,
wolkenlos.

Wieder fängt die Ruhe an.
Ozean,
riesengroß.

Langsam gleite ich dahin,
doch ich bin
sehr beschwingt.

Ich will dieses Phänomen
wiedersehn.
Unbedingt.
Sohnemann-Rap (September 2009)
Yo Baby, Yo Baby,
Baby Yo Yo,
du bist erst eineinhalb
und machst trotzdem eine Show.

Yo Baby, Yo Baby,
Baby Yo Yo,
du machst am liebsten Quatsch,
doch der Papa sagt „No”.

Du kannst schon länger laufen
und rennen kannst du auch.
Nur manchmal gibt‘s ein Hindernis,
dann fällst du auf den Bauch.

Das gibt zwar eine Beule,
doch die Nase ist nicht krumm.
Und deshalb stehst du einfach auf
und sagst ganz lässig „Bumm”!

Bumm Baby, bumm, Baby,
Baby, bumm, bumm.
Yo Baby, Yo Baby,
Baby Yo Yo.

Dein Steckenpferd ist Essen
mit großem Appetit,
so dass man auch danach noch
vieles von der Mahlzeit sieht.

Und lässt der Hunger nach,
dann steht das Zeug nicht lange rum.
Du schmeißt es hochkant runter
und dein Kommentar ist „Bumm”.

Bumm Baby, bumm, Baby,
Baby, bumm, bumm.
Yo Baby, Yo Baby,
Baby Yo Yo.

Du hast ein neues Hobby,
auf Stuhl und Tisch zu klettern.
So kannst Du noch mehr Gläser
und das Essgeschirr zerschmettern.

Nur manchmal, wenn die Statik
nicht mehr will, brauchst du viel Mumm.
Dann kommt der Stuhl ins Wanken
und du weißt, es macht gleich „Bumm”.

Bumm Baby, bumm, Baby,
Baby, bumm, bumm.
Yo Baby, Yo Baby,
Baby Yo Yo.

Musik magst du am liebsten,
wenn man drauf tanzen kann.
Die Stereoanlage ist
bei uns andauernd an.

Und eines hast Du auch bemerkt,
denn du bist ja nicht dumm:
Die Lieder klingen oft sehr gleich,
fast immer, Ba-Ba-Bumm.

Bumm Baby, bumm, Baby,
Baby, bumm, bumm.
Yo Baby, Yo Baby,
Baby Yo Yo.

Du lernst jetzt viele Wörter
und zwar im Stundentakt.
Und trotzdem ist dein Wortschatz
irgendwie noch sehr kompakt.

Das ist dir völlig schnuppe,
du bleibst auch so nicht stumm,
denn ganz egal was kommen mag,
es passt ja immer „Bumm”.

Yo Baby, Yo Baby,
Baby Yo Yo,
du bist erst eineinhalb
und machst trotzdem eine Show.

Yo Baby, Yo Baby,
Baby Yo Yo,
du machst am liebsten Quatsch,
doch der Papa sagt „No”.
Die Geschichte von Daktylus und Anapäst, Teil 2 (Oktober 2009)
Ein Verehrer kommt selten allein
Trocheus war ein mäßig cooler,
vorn betonter Nebenbuhler,
allerdings mit starkem Trieb
nach dem femininen Typ.

Er traf eines schönen Tages
Anapäst – am Zufall lag es –
die ihm gleich sehr gut gefiel
und da hatte er ein Ziel.

„Dieser kleinen Zuckersüßen,
Schönsten aller Versefüßen
mache ich ab jetzt den Hof.
Schließlich bin ich ja nicht doof.”

Also schrieb er viele Briefe
voller Emotion und Tiefe.
Und so mancher Minnesang
war Hexa- ... sechs Meter lang.

Langsam lohnten sich die Mühen:
Anapäst war anzusehen,
dass das Schmeicheln ihr gefiel.
Oder war das nur ein Spiel?

Daktylus war tief getroffen,
worauf sollte er noch hoffen.
„Ich muss kämpfen”, dachte er,
„Sie zu kriegen, das wird schwer!”

Doch das ward es nicht. Mitnichten!
Denn mit lustigen Gedichten
konnte er ihr imponiern
und letztendlich sie verführn.

„Verse müssen einfach leben
und sich nicht nur sechs Mal heben”
sagte Anapäst und dann
nahm sie Daktylus zum Mann.
Erlanger Limerick (November 2009)
Es ist mal ein Mann aus Erlangen
zum Berg auf die Kirchweih gegangen.
Tags drauf nach viel Bier
sprach er: „Wo bin ich hier?”
Er war unterm Tisch in Erlangen.
Limericks aus der Metropolregion (Dezember 2009)
Einst sagte ein Winzling aus Nürnberg:
„Warum hält mich jeder hier für 'n Zwerg?
Die Franken, die fiesen,
sind allesamt Riesen!”
Fortan hieß er ‘Giftzwerg aus Nürnberg’.

Es war mal ein Dummkopf aus Fürth,
der wurde nichts, drum wurd er Wirt.
Doch rar warn die Gäste
und trank er die Reste,
dann brummte der Kopf ihm in Fürth.
© Axel Horndasch