gedichte des monats, 2012
Januar: Atlantis
Februar: Ilse Bilse ...
März: Der Räuber kommt des Nachts
April: Für das Poesiealbum
Mai: Der Lotse geht von Bord ...
Juni: Bitte keine Überraschung
Juli: Der Tag ist schon wieder vorbei
August: Ich kann auch anders sein!
September: Frantic Pedantic
Oktober: Limericks aus Pretzfeld und Forchheim
November: Halloween Sour
Dezember: Nikolaus-Stress

Atlantis (Januar 2012)
dem Untergang geweiht ...
Parkplatzsuche
drei Versuche,
endlich ist's geschafft.
Dann die lange
Kassenschlange,
kostet Geld und Kraft.

Nächste Probe:
Garderobe,
eine ist noch frei.
Grandiose
Badehose
(fast der letzte Schrei).

In der Halle
trifft man alle
nur noch leicht verhüllt.
Große Becken
zum Erschrecken.
Alles gut gefüllt.

Kaum zwei Liegen
sind zu kriegen,
zwar sind alle leer.
Doch mit ollen
Handtuchrollen
reserviert sie wer.

Der Verfasser
geht ins Wasser,
schaut sich skeptisch um.
Baumwollflusen,
Hängebusen
sind um ihn herum.

Dann zerschellen
Indoorwellen
auf der schmalen Brust.
Dicke Bäuche
und Gekeuche
dämpfen leicht die Lust.

Nicht vergessen:
Mittagessen,
Schnellgastronomie.
Dicke Lüfte,
Pommesdüfte,
Rot-Weiß-Energie.

Danach Rutschen,
die echt flutschen,
furchtlos gibt man Gas.
Nur die lose
Badehose
reduziert den Spaß.

Knapp vier Stunden
überwunden,
Rückfahrt steht bevor.
Schnell sich föhnen,
noch mehr löhnen.
Alles riecht nach Chlor.

Freizeitbaden
kann nicht schaden,
doch ein guter Rat:
Als Gewässer
fast noch besser
wär ein Freiraumbad.
Ilse Bilse ... (Februar 2012)
... wie es weiter ging (*)
Ilse Bilse,
keiner will se.
Kam der Koch,
nahm se doch.

Keiner wollt' se
doch jetzt schmollt se,
denn der Koch –
war Arschloch.

* Dank gebührt dem (mir) unbekannten Dichter für die ersten vier Zeilen des Gedichts. Die fünfte Zeile des Originals "... steckt' sie in das Ofenloch" musste in der neuen Version aus dramaturgischen Gründen leider entfallen.
Der Räuber kommt des Nachts (März 2012)
Im Haus ist es ruhig,
es ist ja auch Nacht.
Die Kinder sind lang schon
ins Bettchen gebracht.

Wir Eltern sind auch
zum Schlafen bereit.
Schon gähnen wir beide,
es wird langsam Zeit.

Wir legen uns hin
und löschen das Licht.
Nun tickt noch die Uhr, aber
mehr hört man nicht.

Der Schlaf kommt sehr schnell,
wir merken es kaum.
Und um uns herum ist
bald nur noch ein Traum.

Der Traum ist bewegt,
ich rede im Schlaf.
Du schüttelst ein Bäumchen,
und ich hüt' die Schaf.

Jäh schrecke ich hoch.
„War da ein Geräusch?”
Ich hoffe, ich träum' noch
und dass ich mich täusch'.

Nein, jetzt ist es klar,
im Nebenraum kracht's.
Da kommt wohl ein Räuber
und er kommt des Nachts!

Ich krieg's mit der Angst,
ich hab einen Schock.
Wie kommt der so schnell
in den oberen Stock?

Ich hör wie er stapft
und zittre, doch du,
du schläfst einfach weiter,
er kommt auf uns zu.

Nun ist er ganz nah,
beschleunigt den Gang
und innerlich hör ich
schon Totengesang.

Ich hülle mich ein
und atme nicht mehr.
Mein Herz ist am Pochen
und mir wird ganz schwer.

Jetzt knarzt unser Bett,
ich spüre ein Bein,
will schreien, doch merke,
das Bein ist recht klein.

Das Bein liegt jetzt ruhig
auf meinem Gesicht.
Am Bein hängt ein Kerl dran,
doch der rührt sich nicht.

Sein Kopf ruht auf dir,
du deckst ihn sanft zu.
Ach Kind, mit dir hat man
des Nachts niemals Ruh'!
Für das Poesiealbum (April 2012)
Drei Vorschläge für den Eintrag in das eigene Poesiealbum
Vorschlag 1
Mein Buch ist klein,
schreib bitte rein,
es darf auch gern
was Nettes sein.

Vorschlag 2
Mein Album ist für Poesie,
für Worte und für Sätze, die
was Schönes sagen und zum Schluss
sich reimen (doch das ist kein Muss).

Vorschlag 3
Fällt Dir etwas Nettes ein?
Schreib es in mein Buch hinein.
Denn, bist später Du dann fern,
les ich Deine Zeilen gern.
Der Lotse geht von Bord ... (Mai 2012)
... mal wieder
Spät am Abend,
nicht sehr labend
was die Glotze zeigt.

Über jeden
Unsinn reden
„Gäste”, keiner schweigt.

Diskussionen,
die sich lohnen,
wenn man sie verpasst.

Intressantes,
Relevantes
gibt es niemals – fast.

Reinhold Beckmann,
schalt den weg Mann,
was für eine Qual.

Hinz und Lanz
und Kunz sind ganz
vertieft: TV Total.

Maybrit Illner,
Anne, will'ner
keiner etwas tun?

Müde Lacher
(Ladykracher)
und man fragt: was nun?

Einer kann es:
dieses Mannes
Spott hält einen wach.

Gibt enthemmten
Prominenten
gerne eins aufs Dach.

Schmidt der Meister,
Harald heißt er
vorne, muss nun gehn.

Es wär Glück,
käm' er zurück.
Bis bald, auf Wiedersehn!
Bitte keine Überraschung (Juni 2012)
Deutsche Übersetzung

No Surprises (Original von Radiohead)

Ein Herz, verschüttet, voll mit Abraum,   
ein Job, der dich fast umbringt,
Schmerz, der nicht vergeht.

A heart that's full up like a landfill
A job that slowly kills you
Bruises that won't heal

Du bist so müde und freudlos,
stürz' einfach die Regierung,
denn sie sprechen nicht für uns.

You look so tired, unhappy
Bring down the government
They don't, they don't speak for us

Ich will ein ruhiges Leben,
ein' Handschlag mit Kohlenoxyden

I'll take a quiet life,
A handshake of carbon monoxide

und keine böse Überraschung,
keine böse Überraschung,
bitte keine Überraschung,
Ruhe, Ruhe.

And no alarms and no surprises
No alarms and no surprises
No alarms and no surprises
Silent, silent

Nur noch ein letzter Anfall,
letzte Magenschmerzen mit

This is my final fit
My final bellyache with

keiner bösen Überraschung,
keine böse Überraschung,
bitte keine Überraschung
mehr.

No alarms and no surprises
No alarms and no surprises
No alarms and no surprises
please

So ein schönes Haus und
so ein schöner Garten,

Such a pretty house and
such a pretty garden

keine böse Überraschung
(lasst mich endlich raus),
keine böse Überraschung
(lasst mich endlich raus),
bitte keine Überraschung
(lasst mich endlich raus)
mehr.
No alarms and no surprises
[let me out of here]
No alarms and no surprises
[let me out of here]
No alarms and no surprises
[let me out of here]
please
Der Tag ist schon wieder vorbei (Juli 2012)
Ein Wiegenlied (PDF mit Text und Noten)
Der Tag ist schon wieder vorbei.
So vieles war spannend und neu.
Nun schlafe mein Kind,
nun schlafe mein Kind
bis morgen früh ein neuer Tag beginnt.

Ihr habt den ganzen Tag gespielt
und wirklich viel gelacht.
Und aus ein wenig Lego
eine neue Welt gemacht.
Danach habt ihr getobt
und es war manchmal etwas laut.
Und als die Welt in Trümmern lag,
habt ihr sie neu gebaut.

Der Tag ist schon wieder vorbei.
So vieles war spannend und neu.
Nun schlafe mein Kind,
nun schlafe mein Kind,
weil auch die nächsten Tage
voll mit Abenteuern sind.
Nun schlafe mein Kind,
nun schlafe mein Kind
bis morgen früh ein neuer Tag beginnt.

Jetzt geht es auf den Abend zu,
der Hunger wird schon groß.
Die Schreie werden schriller,
ei, was macht man denn da bloß?
Erst Essen, Nachtisch, Zähneputzen
und noch La Le Lu.
Dann bist du wieder glücklich
und machst deine Augen zu.

Der Tag ist schon wieder vorbei.
So vieles war spannend und neu.
Nun schlafe mein Kind,
nun schlafe mein Kind,
weil auch die andern Kinder
schon in ihrem Bettchen sind.
Nun schlafe mein Kind,
nun schlafe mein Kind
bis morgen früh ein neuer Tag beginnt.

So langsam wird es still,
man hört den Kühlschrank,
der noch brummt.
Die Uhr fängt an zu ticken,
eine Eintagsfliege summt.
Du selbst willst noch ein Küsschen
und dann schläfst du friedlich ein.
Kurz später hört man noch etwas,
das muss Dein Schnarchen sein.

Der Tag ist schon wieder vorbei.
So vieles war spannend und neu.
Nun schlafe mein Kind,
nun schlafe mein Kind,
weil alle Wiegenlieder
irgendwann zu Ende sind.
Nun schlafe mein Kind,
nun schlafe mein Kind
bis morgen früh ein neuer Tag beginnt.
Ich kann auch anders sein! (August 2012)
Frei nach „Jealous Guy” von John Lennon –
eine Antwort auf Ich hau dich um!
Irgendwie hab ich Dich jetzt
wohl mit meinem Text verletzt.
Das tut mir so furchtbar leid!
Das tut mir so furchtbar leid!

Ich wollte Dir nicht wehtun.
Schau bitte nicht so traurig drein?
Mir bleibt die Hoffnung, Du verstehst nun,
ich kann auch anders sein!

Ich bin eigentlich sehr scheu,
Konfrontation ist für mich neu.
Innerlich da zitter ich!
Innerlich da zitter ich!

Ich wollte Dir nicht wehtun.
Schau bitte nicht so traurig drein?
Mir bleibt die Hoffnung, Du verstehst nun,
ich kann auch anders sein!

Ich hab mit Dir Streit gesucht,
habe über Dich geflucht.
Und jetzt fühl ich großen Schmerz!
Und jetzt fühl ich großen Schmerz!

Ich wollte Dir nicht wehtun.
Schau bitte nicht so traurig drein?
Mir bleibt die Hoffnung, Du verstehst nun,
ich kann auch anders sein!
Frantic Pedantic (September 2012)
On a global scale
I fail,
but I hail
the detail...

I'm a frantic pedantic
who cares 'bout semantics,
pragmatics and syntax.
And if anyone lacks
the kind of precision
that I would envision,
it quickly gets tricky
'cause I'm pretty picky.

I get no erection
unless there's perfection,
I check every pixel
and fix el-
ementary issues
and misuse
of floating point values
with high resolution
so there's no pollution.

I do give a shit
about every bit
every byte
should be right
so I fight
every time
for the prime,
the sublime:
make it rhyme,
make it fine
and don't whine,
make it shin-
y and new.
But so few
really do,
and it's sad but so true,
it's just me and not you...

... because I am...

... the frantic pedantic
who cares 'bout semantics,
pragmatics and syntax.
And if anyone lacks
the kind of precision
that I would envision,
it quickly gets tricky
'cause I'm pretty picky.

I can be so anal... err

I am anal-lytic
a critic
who's not shy
to act as the bad guy
the mad guy
who asks why
there's always mistakes,
my heart aches,
my hand shakes.

Is there nobody out there
like me who cannot bear
that nothing's complete,
do I have to delete
every text, every tweet
with inaccuracies.
Won't you please
put a cease
to this dreadful disease
of abusing our letters
and words where it matters.
No sentence should be
life in prison for me.

Even if I am...

... a frantic pedantic
who cares 'bout semantics
pragmatics and syntax.
And if anyone lacks
the kind of precision
that I would envision,
it quickly gets tricky
'cause I'm pretty picky.

I spot
every dot
and whatnot
I'm a hotshot,
a bug tracking,
nut cracking
maniac on the floor...

I'm a maniac, maniac on the dance floor.
And I'm double checking anything I've checked before...

On the dance floor
I'm hardcore,
I watch
every hip that you shake,
every step that you take,
every move that you make,
every smile that you fake.
I'll be watching you,
stalking you,
walking right by you
until the police
sees
that I'm after you
and it's true
I want you
just for me
can't you see?

That actually I am ...

... a frantic romantic
who's slightly pedantic.
Who cares about chicks
using tricks,
trying to fix
his relationship issues
with tissues
I'm crying
and dying
for answers from you
so please do
give me some sort of sign,
or just drop me a line
that we're fine
and you're mine ...

Then you send me a mail
and it makes me go pale
'cause it says:
„You may hail
the detail
but on a global scale
you fail.”
Limericks aus Pretzfeld und Forchheim (Oktober 2012)
Es war mal ein Junge in Pretzfeld,
der dachte sich, „ich brauche jetz' Geld.
Nicht um's zu verprassen,
um's Dorf zu verlassen.”
Ihm war es zu spießig in Pretzfeld.

Es war mal ein Mädchen in Forchheim,
das suchte für Forchheim 'nen Endreim.
Ihr ist's nicht gelungen,
sie fand nur den Jungen
aus Pretzfeld und ging weg aus Forchheim.
Halloween Sour (November 2012)
Ihr wollt Süßes oder Saures?
Leider weiß ich nichts Genaures.
Ich frag schnell mal meine Frau,
die weiß so was meist genau.

Sie sagt süße Leckereien
bringen euch doch nur zum Speien.
Deshalb gibt es Saures hier:
also Schnäpse, Wein und Bier.

Ihr könnt euch zum Beispiel laben
an dem Korn, den wir noch haben,
trinkt doch einfach einen mit
und, sagt ihr danach „igitt”,
gibt es einen Magenbitter,
denn der ist noch viel igitter.
Dazu einen Wodka pur
und seid ihr dann weiter stur
und wollt immer noch was Saures
mixen wir euch auch was Raures:
Bourbon, Wermut und Absinth,
gern auch zwei für jedes Kind.

Schließlich doch noch Leckereien
und ist euch dann so zum Speien,
dass ihr schnell nach Hause schleicht,
wäre unser Ziel erreicht.
Nikolaus-Stress (Dezember 2012)
Dem Nikolaus, dem Nikolaus,
dem zieht es fast die Stiefel aus.
So viele Stiefel vor dem Haus,
wer stellt denn die bloß alle raus?

Er ist alleine im Büro,
sein Team ist heute irgendwo.
Macht einfach Urlaub, so ein Mist,
wo jetzt doch so viel Arbeit ist.

Als er sich schon halb drücken mag
– es ist ja fast ein Brückentag –
wird er sich seiner Pflicht bewusst,
ihm droht ja auch Gesichtsverlust.

Nun fängt er schnell das Packen an,
er denkt dabei: „Ein Sack, ein Mann!”
Und packt, bis er kurz später dann
den Sack fast nicht mehr tragen kann.

Nur die Logistik ist nicht klar,
die Reiseroute dieses Jahr
ist endlos lang, so dass vielleicht
er einen Rentierschlitten bräucht.

Sein US-Neffe, Santa Claus,
rückt keinen seiner Schlitten raus.
Er sagt nur einen schönen Gruß:
da geht der Nikolaus zu Fuß.

Weil er die Kids erfreuen mag,
rennt er fortan den ganzen Tag
von Haus zu Haus, erfüllt sein Soll
und macht die Stiefel alle voll.

Als er nach Hause will, verliert
er das Bewusstsein, kollabiert.
Man findet ihn und spricht ihn an.
„Sind sie etwa der Weihnachtsmann?”

„Wo wohnen sie?” wird auch gefragt.
Er ist noch kraftlos, als er sagt:
„Da vorne rechts und dann gradaus,
es ist das Haus vom Nikolaus!”

Und die Moral von der Geschicht
ist, die Erfüllung einer Pflicht
hilft einem Menschen wirklich nicht,
wenn er dabei zusammenbricht.
© Axel Horndasch