Gedicht des Monats
Macke – abstrakt (Mai 2021)
Ich habe eine Macke
an meinem PKW,
genauso an der Jacke,
wenn ich es richtig seh'.

Mein_Garten

Die körperlichen Dellen
sind meistens eher vorn.
Mich schmückt an manchen Stellen
bisweilen auch ein Horn.

Doch was mich physisch plagte
vergaß ich immer dann,
wenn August zu mir sagte:
„Du hast 'ne Macke, Mann!”

Ich bat ihn, nicht zu spotten,
denn ich hab keinen Tick.
Und meine paar Marotten
hab ich recht gut im Blick.

Um ihn etwas zu necken
ob seiner Reiterei
sprach ich: „Nur blaue Flecken
sind keine Malerei.”

Jedoch sich auszudrücken
wie er, das schaff ich nie.
Für „Schrulle” wollt's nicht glücken:
„Idiosynkrasie”.
Mein Garten (April 2021)
Mein Garten liegt im Argen
gleich hinter meinem Haus,
Mit Pflanzen – wenn, dann kargen –
sieht es nicht rosig aus.

Mein_Garten

Es wächst ein wenig Unkraut,
dazu ein krummer Baum.
Doch, wenn es ihn nicht umhaut,
bemerkt den Baum man kaum.

Die Löwenzähne sprießen,
die Pusteblumen auch.
Man kann bequem sie gießen
(steht man nicht auf dem Schlauch).

Im Garten steht ein Häuschen
mit Chaos innen drin.
Vereinzelt zieht es Mäuschen
zu diesem Häuschen hin.

Da stehen ein paar Stühle
und Tisch (nicht mehr ganz braun).
Klaustrophobiegefühle
weckt auch der Gartenzaun.

Der Rasen murmelt „Mäh mich!”
Nur leider hör' ich schlecht.
Der Samen säuselt „Sä' mich!”
Ich werd' ihm nicht gerecht.

Ich sitz' auf der Terrasse
und schau auf's braune Grün.
„Im nächsten Jahr dann lasse
ich alles wieder blühn.”
Der Ohrwurm (März 2021)
Das Radio lief leise,
und plötzlich war er da,
auf ganz perfide Weise
mit Life und na na na.

Der_Ohrwurm

Durch Die perfekte Welle
flog er ins Ohr hinein.
Er brachte Trommelfelle
in Schwung, doch nicht allein.

Mit Pauken und Trompeten
und einem lauten Roar
war er schon eingetreten
ins Reich von Mittelohr.

Zum Ziel, dem Stirnhirnlappen,
war es nicht mehr so weit.
„Per Hörnerv könnt' es klappen.”
Der Ohrwurm war bereit.

Im Großhirn angekommen
fing er zu singen an.
Querbeet: Ein Schiff wird kommen...
und Irgendwie, -wo, -wann.

Er fühlte sich sehr wichtig,
unsterblich regelrecht.
Doch lag er nicht ganz richtig:
Es kam ein Ohrenspecht!

Der Ohrwurm schrie vermessen:
„Ha ha, der kriegt mich nie”,
da ward er schon gefressen
auf einem Lemontree.

Epilog:
Was nun schon fast egal is'
im Lobus Temporalis
hört man Costa Cordalis,
was eine schlimme Qual is'.
Vom Eis durch die Tür auf die Straße (Februar 2021)
Am Ende des Tages (Teil 2)
Probleme gab es keine,
nur knifflige Details.
Das heißt, die Kuh stand lang schon
auf superdünnem Eis.

Kuh_auf_dem_Eis

Da musste sie schnell runter
und vieles sprach dafür,
man bringt direkt im Anschluss
sie gleich noch durch die Tür.

Doch jemand schrie „Das reicht nicht,
das kann ja wohl nicht sein.
Bringt's endlich auf die Straße,
das fordere ich ein!”

Die Kuh stand auf der Straße,
da kam ein LKW.
Ich dachte: „Aber wehe,
wenn ich auf's Ende seh'.”

Idee: Gregor Endler
Hefeteiggebäckstückchen (Januar 2021)
Ich muss durch den Schneematsch stapfen,
denn ich will heut' Faschingskrapfen.
Doch, beim Bäcker angekommen,
steh ich erst mal ganz benommen.

Krapfen_ohne_Ende

So viel Krapfenvarianten
oder sind das schon „Mutanten”?
Deren rote, grüne, braune
Farbe hebt nicht meine Laune.

Und der Zucker, kein Kristall mehr,
auch kein Puder, doch dafür sehr
dick umhüllend aufgetragen,
sorgt bei mir für Unbehagen.

„Krapfen”, so als Name schien er
mir eindeutig, doch „Berliner”
heißt es auch, das Teiggebäckstück
(ein Gedanke, den ich wegdrück).

„Gibt's die noch gefüllt mit Hiffen-
mark?” „Nein, leider schon vergriffen.
Es gäb Nougat, Quark, Vanille
und zwar noch in Hüll' und Fülle.”

„Nee!”, sag ich zur Bäckersdame,
sie macht auch nicht grad Reklame:
„Mag die auch nicht so”, gesteht s'e,
„nehmen's halt a Pfefferbreze!”
© Axel Horndasch