Gedicht des Monats
Eh!
(Mai 2022)
In Austria, da ist es schee,
denn dort gibt es das Wörtchen „eh”.
Das gibt's doch auch bei uns? Ja! Nee!
Ein bisserl anders ist's da eh.

Modalpartikel”? Was ist das?
Der tönt voll ab man, das ist krass:
„Ist eh klar” und „ist eh bekannt”
hört man sogar in (Hoch-)Deutschland.

Und irgendwie heißt's „sowieso”
und ohnehin ist man sehr froh,
dass so ein Wort im Duden steht,
auch wenn mit „eh” noch viel mehr geht.

Wenn ich was sag und du denkst „nee”
und willst nicht streiten, sagst „Ja, eh.”
Ist eh egal, was ich so sag
den ganzen lieben langen Tag.

„Gehn sie um's Eck, dann sehn sie's eh”,
sagt mir ein Mann und ich verste-
he ihn, als ich um's Eck rum seh:
„Eh” heißt auch „schon” seit eh und je.

Was ich als Deutscher lernen muss:
Es geht sich eh aus ganz zum Schluss.
Bei Apfelstrudel und Kaffee
und jederzeit: Ein „eh” passt eh!
Kennst du es wohl, das Land? (April 2022)
Auch wenn ganz nah Zitronen blühn
(die Früchte gelb und vorher grün),
die Gegend mit dem See entzückt
und Pizza, Kaffee mich beglückt,
gibt es da doch ein Stückchen Land,
das ich nicht so idyllisch fand.

Kennst_du_es_wohl_das_Land

Erbauend, vor dem Eingang schon,
die Parkplatzwüsten aus Beton,
auf denen Ford und Fiat steht
und sanfter Wind vom Himmel weht.
Mein Kind, wohin? Dahin, dahin!
Es sind schon Menschenmassen drin.

Kennst du das House? Adrenalin
schütt ich da aus, so lass uns ziehn.
Ist dir jetzt schlecht? Sieh mich mal an?
Was hat die „Magic” dir getan?
Woandershin, was wäre gut?
Zu „Jungle Rapids” und der Flut.

Nun bist du nass bis auf den Leib,
die Schlange steht, welch Zeitvertreib.
Kennst du den „Raptor”? Den „Shaman”?
Zieht „Blue Tornado” dir den Zahn?
Was haben wir vergessen noch?
Oblivion” (mit Fahrt ins Loch).

Kennst du den Ausgang, liebes Kind?
Dort wo die Süßigkeiten sind?
Vorbei an Klo und Legostand?
Dahin! Schnell weg aus Gardaland.

Ganz flott geht's nicht. Warum? Genau:
Wir stehen erst einmal im Stau.
Der Masochisten-Tango (März 2022)
Deutsche Übersetzung

The Masochism Tango (Tom Lehrer)

Oh, ich brauch' deine Küsse, du Gute,
doch noch mehr brauche ich deine Knute.
Du haust mich blau, wie sonst keine Frau
und wir tanzen den Masochisten-Tango.

I ache for the touch of your lips dear,
But much more for the touch of your whips dear,
You can raise welts like nobody else
As we dance to the Masochism Tango
Der_Masochisten-Tango
Unsre Liebe sei flammend, nicht glimmend,
oh verstümmle nur mich, sei bestimmend!
Schlag mich und dann, zünd' meinen Schlips an
und dann tanzen wir Masochisten-Tango.

Let our love be a flame not an ember
Say it's me that you want to dis-member
Blacken my eye, set fire to my tie
As we dance to the Masochim Tango

Rufst du nach mir, steh ich postwendend hier,
du hältst mein Herz bei dir … igitt
und da muss ich auch sein.
Mein Herz, es fleht, hör nur wie wild es geht,
nimm Stollenschuh' und tret-
e kräftig auf mich ein!

At your command, before you here I stand
My heart is in my hand … eeeaalluch
It's here that I must be
My heart entreats, just hear those savage beats
And go put on your cleats,
And come and trample me

Dein Herz ist hart wie Stein oder Edelholz,
deshalb leide ich Qualen, das macht mich stolz.
Zur Sehnsucht verdammt, meine Seele entflammt.
Darum schwitz' ich auch leicht bei unsrem Tango.

Your heart is hard as stone or mahogany
That's why I'm in such exquisite agony
My soul is on fire; it's a flame with desire
Which is why I perspire when we tango

Mein Riechorgan klemmst du ein, enchantée, Schatz,
Kastagnetten tun weh, Schatz,
wenn die Stunde mir schlägt.
Ich beneide so sehr deine Rose im Mund, Schatz,
Dornen sind so gesund, Schatz,
tief ins Zahnfleisch geprägt.

You caught my nose in your left castanet, love
I can feel the pain yet, love
Everytime I hear drums
And I envy the rose, that you held in your teeth, love
With the thorns underneath, love
Sticking into your gums

Mit Blicken weißt du zu entzücken,
letzthin musste man mich danach flicken.
Die Schnittwunde lag wohl am Wimpernschlag,
denn wir tanzten den Masochisten-Tango.

Your eyes cast a spell that bewitches
The last time I needed 20 stitches
To sew up the gash you made with your lash
As we dance to the Masochism Tango

Bring mich zum Schrei’n, Schlag mir den Schädel ein,  
ein Tritt darf es noch sein,
dann schwör, du liebst nur mich.
Mir ist bekannt, ich bin von dir gebannt
und riecht es hier verbrannt,
dann glüht mein Herz für dich.
Hicks… Entschuldigung…

Bash in my brain, and make me scream with pain
Then kick me once again
And say we'll never part
I know too well, I'm underneath your spell
So darling if you smell
something burning it's my heart
Hic… Excuse me…

Unterschreib bitte mit Zigarette
direkt auf meiner Schultermanschette.
Brich mein Genick,
beschwör unser Glück
und wir tanzen den Masochisten-Tango.
Take your cigarette from its holder
And burn your initials in my shoulder
Fracture my spine
And swear that you're mine
As we dance to the Masochism Tango
Limericks aus der Ukraine (Februar 2022)
Es war eine Frau in Odessa,
die sprach, mit dem Blick auf's Gewässer:
„Nicht nur hier am Strand
seh ich schwarz für das Land.”
Sie war traurig im schönen Odessa.

Ukraine

Ein Kind hatte Angst in Mariupol
und sagte der Großmutter Lebewohl.
„Ich weiß noch nicht wann
ich zurückkommen kann.
Aber jetzt muss ich weg aus Mariupol.”

Ein Boxer war wütend in Kiew:
„Der Vladimir, der wird hier nie Chef!
Und wenn, ist sein Sieg
nicht von Dauer, denn Krieg
bringt nur Hass, keiner mag ihn in Kiew.”
In Kühtai am Berge (Januar 2022)
Zur Melodie von „Im Frühtau zu Berge” – Video_IconVideo
In Kühtai am Berge wir fuhr'n, fallera,
bei niedrigen Außentemp'ratur'n, fallera.
Im Skischuh eine Blase,
fiel'n wir auch auf die Nase,
doch wir hinterließen im Tiefschnee Spur'n.

Kühtai

Mit Kaiser- und Hochalterbahn, fallera,
ging es dann zum Einkehrschwung bergan, fallera,
viel Jagertee geordert,
den Wirt leicht überfordert,
der Germknödel hat aber gut getan.

Werft ab alle Sorge und Qual, fallera,
und fahrt mit uns Schuss hinab ins Tal, fallera,
sind wir zurück in Deutschland
flickt man bei uns das Kreuzband:
Fahrt mit und reißt euch es auch selbst einmal!
© Axel Horndasch